Johannes 8,31–38:
Die wahre Freiheit und die Antwort auf Jesu Wort
Johannes 8,31–38 (SCHL2000)
Die richtige Auslegung von Johannes 8,31–38
Nachdem Johannes berichtet hat, dass viele an Jesus geglaubt hatten (Johannes 8,30), wendet Jesus sich nun an diese Zuhörer und zeigt, was einen wahren Jünger kennzeichnet: in seinem Wort zu bleiben. Als er ihnen Freiheit verheißt, berufen sie sich sofort auf ihre Abstammung von Abraham. Jesus offenbart daraufhin, dass die wahre Knechtschaft die Knechtschaft der Sünde ist und nur der Sohn wirkliche Freiheit schenken kann. Damit beginnt er zugleich zu zeigen, dass die leibliche Abstammung von Abraham allein nicht ausreicht, um den wahren Zustand eines Menschen vor Gott zu bestimmen.
(V. 31)
«Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger,»
Jesus spricht zu Juden, die an ihn geglaubt hatten, wie Johannes unmittelbar zuvor berichtet hat.
Nun fügt er eine Bedingung hinzu, an der sich die Wirklichkeit der Jüngerschaft zeigt: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger«.
Bleiben bedeutet, bei dem zu bleiben, was Jesus gesagt hat, und an seiner Lehre festzuhalten, statt sie aufzugeben, wenn sie die eigenen Vorstellungen oder Erwartungen herausfordert.
Jesus stellt dieses Bleiben nicht als ein Werk dar, mit dem jemand die Jüngerschaft erkauft oder verdient. Er beschreibt es vielmehr als das, was den wahren Jünger kennzeichnet.
Der folgende Dialog wird zeigen, warum diese Aussage notwendig ist: Gerade Jesu nächste Worte werden die Vorstellungen seiner Zuhörer unmittelbar herausfordern.
(V. 32)
«und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!»
Im Wort Jesu zu bleiben führt dazu, die Wahrheit zu erkennen.
Dabei geht es nicht lediglich darum, richtige Informationen anzusammeln. Die Wahrheit ist unmittelbar mit dem Wort verbunden, das Jesus offenbart, und mit der Wirklichkeit über Gott, die Sünde und das Leben, die er bekannt macht.
Dann erklärt Jesus:
»die Wahrheit wird euch frei machen!«
Der Dialog selbst erklärt unmittelbar, von welcher Freiheit Jesus spricht. Seine Zuhörer denken an menschliche oder gesellschaftliche Knechtschaft, doch Jesus führt das Gespräch zur Knechtschaft der Sünde.
(V. 33)
«Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Same und sind nie jemandes Knechte gewesen; wie kannst du da sagen: Ihr sollt frei werden?»
Seine Zuhörer reagieren, weil die Verheißung der Freiheit voraussetzt, dass sie sich gegenwärtig in irgendeiner Form von Knechtschaft befinden.
Deshalb berufen sie sich auf ihre Herkunft: »Wir sind Abrahams Same«.
Sie behaupten außerdem: »wir sind nie jemandes Knechte gewesen«.
Diese Aussage wirkt angesichts der Geschichte Israels auffällig, da das Volk wiederholt unter der Herrschaft anderer Nationen gestanden hatte. Der Schwerpunkt ihrer Worte scheint jedoch auf der Freiheit und Stellung zu liegen, die sie ihrer Abstammung von Abraham zuschreiben.
In jedem Fall verstehen sie noch nicht, von welcher Knechtschaft Jesus spricht.
(V. 34)
«Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde.»
Jesus erklärt unmittelbar, welche Knechtschaft er meint:
die Knechtschaft der Sünde.
Jeder, der die Sünde tut, steht unter ihrer Herrschaft.
Jesus beschreibt die Sünde damit nicht nur als etwas, das ein Mensch tut, sondern als einen Herrn, der denjenigen knechtet, der unter seiner Macht lebt.
Die Freiheit, die sie wirklich brauchen, besteht daher nicht in der Befreiung von einer politischen Macht oder einem gesellschaftlichen Zustand, sondern in der Befreiung aus der Herrschaft der Sünde.
(Vv. 35–36)
«35 Der Knecht aber bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig. 36 Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei.»
Jesus führt nun das Bild eines Hauses ein.
Der Knecht kann sich darin befinden, besitzt aber keine bleibende Stellung. Der Sohn dagegen bleibt im Haus.
Dann führt Jesus das Bild zum entscheidenden Punkt: »Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei.«
Die wahre Freiheit kommt weder aus ihrer Abstammung von Abraham noch aus der Stellung, die sie zu besitzen meinen. Sie hängt vom Sohn ab.
Da Jesus die Knechtschaft gerade mit der Sünde identifiziert hat, ist die Freiheit, die der Sohn schenkt, in diesem Zusammenhang Freiheit von der Herrschaft der Sünde.
(V. 37)
«Ich weiß, dass ihr Abrahams Same seid; aber ihr sucht mich zu töten , denn mein Wort findet keinen Raum in euch.»
Jesus erkennt ihre leibliche Abstammung ausdrücklich an:
»Ich weiß, dass ihr Abrahams Same seid«.
Diesen Umstand bestreitet er nicht.
Doch unmittelbar danach zeigt er den Widerspruch zwischen dieser Herkunft und ihrer Reaktion auf ihn:
»aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet keinen Raum in euch«.
Die Formulierung zeigt, dass Jesu Wort in ihnen keinen Raum findet. Statt es aufzunehmen und darin zu bleiben, wie Jesus es in Vers 31 verlangt hat, widersetzen sie sich ihm bis zu dem Punkt, dass sie ihn töten wollen.
(V. 38)
«Ich rede , was ich bei meinem Vater gesehen habe; so tut auch ihr, was ihr bei eurem Vater gesehen habt.»
Jesus stellt nun sich selbst seinen Zuhörern gegenüber.
Er redet das, was er bei seinem Vater gesehen hat; sie dagegen tun, was sie bei ihrem Vater gesehen haben.
Jesus erklärt hier noch nicht ausdrücklich, wen er mit »eurem Vater« meint. Diese Frage wird unmittelbar danach entfaltet, deshalb sollten wir ihr an dieser Stelle nicht vorgreifen.
Für den Augenblick genügt der Gegensatz: Worte und Werke offenbaren, woher jemand geprägt ist. Jesus redet aus seiner Beziehung zum Vater heraus; die Handlungen seiner Zuhörer weisen auf eine andere Herkunft hin, die er in den folgenden Versen erklären wird.
Folgerungen
- Der wahre Jünger bleibt in Jesu Wort: Er wird nicht nur durch eine anfängliche Reaktion gekennzeichnet, sondern dadurch, dass er weiterhin seine Lehre annimmt.
- Die von Jesus offenbarte Wahrheit macht frei: Diese Freiheit steht unmittelbar mit der Befreiung aus der Knechtschaft der Sünde in Verbindung.
- Die Sünde knechtet: Jesus beschreibt sie als eine Macht, unter deren Herrschaft ein Mensch stehen kann.
- Nur der Sohn kann wahre Freiheit schenken: Abstammung oder äußere Vorrechte können niemanden aus der Herrschaft der Sünde befreien.
- Leibliche Abstammung bestimmt nicht von selbst den geistlichen Zustand: Jesus erkennt an, dass sie Abrahams Same sind, stellt aber zugleich fest, dass sein Wort keinen Raum in ihnen findet.
- Die Antwort auf Jesu Wort offenbart den wahren Zustand eines Menschen: Darin zu bleiben kennzeichnet den Jünger; es zu verwerfen offenbart eine andere Wirklichkeit.
Anwendungen
- Bleibe in Jesu Wort: Begnüge dich nicht damit, es zunächst zu hören, sondern nimm weiterhin an und befolge, was er lehrt.
- Lass die Wahrheit Christi deine Vorstellungen korrigieren: In seinem Wort zu bleiben bedeutet, es nicht aufzugeben, wenn es das korrigiert, was du bisher geglaubt hast.
- Erkenne die knechtende Macht der Sünde: Behandle sie nicht als etwas Unbedeutendes oder als etwas, das vollständig unter deiner Kontrolle steht.
- Suche die wahre Freiheit beim Sohn: Nur Jesus kann aus der Herrschaft der Sünde befreien.
- Verlasse dich nicht auf familiäre oder religiöse Vorrechte: Der wahre Zustand eines Menschen zeigt sich in seiner Antwort auf Jesus und sein Wort.
Zusammenfassung
In Johannes 8,31–38 spricht Jesus zu Juden, die an ihn geglaubt hatten, und erklärt, dass wahre Jünger dadurch gekennzeichnet sind, in seinem Wort zu bleiben. Dieses Bleiben führt dazu, die Wahrheit zu erkennen, und die Wahrheit wird sie frei machen. Als seine Zuhörer sich auf ihre Abstammung von Abraham berufen und die Vorstellung zurückweisen, Knechte zu sein, offenbart Jesus, dass die wahre Knechtschaft die Knechtschaft der Sünde ist und nur der Sohn wirkliche Freiheit geben kann. Obwohl er anerkennt, dass sie leiblich Abrahams Same sind, weist er zugleich darauf hin, dass sie ihn zu töten suchen, weil sein Wort keinen Raum in ihnen findet. So beginnt Jesus zu zeigen, dass äußere Abstammung nicht genügt: Die Antwort auf sein Wort offenbart eine viel tiefere Wirklichkeit.
Gebet
Unser Vater, wir danken dir, dass du durch deinen Sohn die Wahrheit offenbart hast, die uns wirklich frei machen kann.
Hilf uns, im Wort Jesu Christi zu bleiben und es auch dann anzunehmen, wenn es unsere Vorstellungen und unsere Lebensweise herausfordert.
Zeige uns den Ernst der Sünde und bewahre uns davor zu glauben, wir könnten uns aus eigener Kraft aus ihrer Herrschaft befreien.
Lass uns unsere Freiheit allein bei deinem Sohn suchen und schenke, dass sein Wort in uns wirklich Raum findet.
Darum bitten wir dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.
Die Bibel Schlachter 2000
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