Johannes 5,15–18:
Der Widerstand gegen Jesus und seine Aussage über die Beziehung zum Vater
Johannes 5,15–18 (SCHL2000)
Die richtige Auslegung von Johannes 5,15–18
Nach der Begegnung Jesu mit dem Mann im Tempel (Johannes 5,14) zeigt der Bericht, wie sich die Lage gegenüber den »Juden« weiterentwickelt und wie das Handeln Jesu am Sabbat zu einer tiefer gehenden Auseinandersetzung führt.
(V. 15)
«Da ging der Mensch hin und verkündete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.»
Der Mann nennt nun Jesus als denjenigen, der ihn geheilt hat.
Zuvor wusste er nicht, wer es war (Johannes 5,13). Nachdem Jesus ihn jedoch im Tempel gefunden hat, kann er ihn als denjenigen benennen, der ihn gesund gemacht hatte.
Der Vers äußert sich nicht zu seiner Absicht, sondern berichtet lediglich die Tatsache: Er verkündet es den Juden.
Diese Einzelheit führt unmittelbar zum Folgenden, denn durch seine Mitteilung richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf Jesus.
(V. 16)
«Und deshalb verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er dies am Sabbat getan hatte.»
Die Reaktion der Juden verschärft sich.
Sie beschränken sich nicht darauf, Jesus zu befragen oder sein Handeln infrage zu stellen, sondern »verfolgten« ihn. Außerdem heißt es im Text, dass sie »ihn zu töten« suchten.
Der genannte Grund ist eindeutig: »weil er dies am Sabbat getan hatte«.
Das Problem besteht nicht nur in einer einzelnen Handlung. Der Zusammenhang zeigt, dass Jesus solche Dinge tat, was auf eine Handlungsweise hinweist, die ihrer Auslegung des Sabbats widersprach.
(V. 17)
«Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.»
Jesus antwortet unmittelbar auf ihre Anklage.
Er bestreitet sein Handeln nicht und versucht auch nicht, sich ihren Erwartungen anzupassen. Stattdessen spricht er eine Erklärung aus, die die Auseinandersetzung auf eine neue Ebene führt.
Er sagt: »Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.«
Zunächst spricht er von Gott als »meinem Vater« und bringt damit bereits eine besondere Beziehung zum Ausdruck.
Dann erklärt er, dass er ebenso wirkt, wie der Vater »bis jetzt« wirkt. Damit stellt er eine Kontinuität zwischen dem Handeln Gottes und seinem eigenen Handeln her.
Der Vers entfaltet noch nicht alle Einzelheiten, stellt aber eindeutig eine Verbindung zwischen dem her, was Gott tut, und dem, was Jesus tut.
(V. 18)
«Darum suchten die Juden nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte.»
Der Vers erklärt, wie sie die Worte Jesu verstanden.
Der Widerstand verschärft sich: Sie suchten »nun noch mehr, ihn zu töten«.
Dafür werden zwei Gründe genannt:
- Er »brach den Sabbat«.
- Er »nannte Gott seinen eigenen Vater«.
Der Text fügt ihre Schlussfolgerung hinzu: Indem Jesus Gott seinen eigenen Vater nannte, machte er sich selbst Gott gleich.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Schlussfolgerung daraus hervorgeht, wie sie seine Erklärung verstanden.
Damit zeigt der Bericht, dass die Auseinandersetzung nicht länger auf den Sabbat beschränkt ist, sondern sich auf die Identität Jesu und seine Beziehung zu Gott richtet.
Folgerungen
- Das Wirken Jesu ruft Widerstand hervor: Sein Handeln löst nicht nur Staunen, sondern auch Ablehnung aus.
- Bei der Auseinandersetzung geht es nicht nur um Handlungen, sondern um Identität: Das zentrale Thema verlagert sich vom Sabbat auf die Frage, wer Jesus ist.
- Jesus offenbart eine einzigartige Beziehung zum Vater: Mit den Worten »mein Vater« bezeichnet er keine bloß allgemeine Beziehung.
- Das Wirken Jesu ist mit dem Wirken Gottes verbunden: Zwischen dem, was der Vater tut, und dem, was der Sohn tut, besteht Kontinuität.
- Das Verständnis der Identität Jesu ruft starke Reaktionen hervor: Seine Erklärung wird als Anspruch verstanden, Gott gleich zu sein.
Anwendungen
- Bleibe nicht beim Äußerlichen stehen: Der Bericht zeigt, wie man sich auf Vorschriften konzentrieren und dabei übersehen kann, was Gott tut.
- Achte darauf, was Jesus über sich selbst offenbart: Seine Worte weisen nicht nur auf seine Handlungen, sondern auf seine Identität hin.
- Erkenne an, dass die Antwort auf Jesus Widerstand hervorrufen kann: Nicht alle reagieren auf die gleiche Weise auf sein Handeln.
- Prüfe, wie du Jesus verstehst: Der Text zeigt, dass seine Identität im Mittelpunkt steht.
- Bleibe aufmerksam für das Wirken Gottes: Jesus verbindet sein eigenes Handeln mit dem des Vaters.
Zusammenfassung
In Johannes 5,15–18 nennt der geheilte Mann den Juden Jesus als denjenigen, der ihn gesund gemacht hat. Daraufhin verfolgen sie Jesus und suchen ihn zu töten, weil er diese Dinge am Sabbat getan hatte. Jesus antwortet, dass sein Vater bis jetzt wirkt und er ebenfalls wirkt. Dadurch erreicht die Auseinandersetzung eine tiefere Ebene: Die Juden verstehen, dass Jesus Gott seinen eigenen Vater nennt und sich damit Gott gleich macht. Der Bericht zeigt, dass sich der Widerstand gegen Jesus nicht nur gegen sein Handeln richtet, sondern vor allem gegen seine Identität und seine Beziehung zum Vater.
Gebet
Unser Vater, wir danken Dir, dass Du durch Deinen Sohn Dein Wirken und Deinen Vorsatz offenbart hast.
Herr, hilf uns, nicht beim Äußerlichen oder Oberflächlichen stehen zu bleiben, sondern zu erkennen, wer Jesus Christus nach seiner eigenen Offenbarung ist. Schenke uns ein Herz, das sein Wort annimmt und seine Beziehung zu Dir erkennt.
Bewahre uns davor, Dein Wirken abzulehnen, weil wir es nicht verstehen, und hilf uns, an der Wahrheit festzuhalten, die Du durch Deinen Sohn offenbart hast.
Darum bitten wir Dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.
Die Bibel Schlachter 2000
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