Johannes 5,10–14:
Die Reaktion auf das Wirken Jesu und seine spätere Warnung
Johannes 5,10–14 (SCHL2000)
Die richtige Auslegung von Johannes 5,10–14
Nach der Heilung des Mannes (Johannes 5,1–9) richtet sich der Bericht nicht in erster Linie auf die Reaktion des Mannes selbst, sondern auf die Antwort anderer und auf eine weitere Begegnung mit Jesus. Dieser Abschnitt führt das Thema des Sabbats ein und bereitet die Entwicklung der folgenden Verse vor.
(V. 10)
«Nun sprachen die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat ; es ist dir nicht erlaubt , die Liegematte zu tragen!»
Der Vers führt ein neues Element ein: den Tag, an dem die Heilung geschah, Sabbat.
Es wird ausdrücklich erwähnt, dass »Sabbat« war. Dies wird für alles Folgende entscheidend sein.
Die Reaktion der »Juden« richtet sich nicht auf die Heilung, sondern darauf, dass der Mann seine Liegematte trägt. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem, was sie für einen Verstoß gegen den Sabbat halten.
So stellt der Text einen Gegensatz dar: Obwohl der Mann nach vielen Jahren geheilt worden ist, richtet sich ihre Antwort auf die Einhaltung des Tages.
(V. 11)
«Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm deine Liegematte und geh umher!»
Der Mann antwortet, indem er den Grund für sein Handeln erklärt.
Er versucht nicht, sich selbst zu verteidigen, sondern beruft sich auf die Vollmacht dessen, der ihn geheilt hat. Seine Begründung ist einfach: Er tut, was ihm aufgetragen wurde.
Die Betonung liegt auf den Worten »der mich gesund machte«. Für ihn rechtfertigt die Vollmacht dessen, der seine Heilung bewirkte, sein gegenwärtiges Handeln.
(V. 12)
«Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm deine Liegematte und geh umher?»
Die Frage der Juden richtet sich auf die Identität dessen, der diesen Befehl gegeben hat.
Sie fragen nicht nach der Heilung selbst, sondern nach dem Menschen, der ihm befohlen hat, seine Liegematte zu nehmen und umherzugehen.
Dies zeigt, dass ihr Interesse darauf gerichtet ist, denjenigen ausfindig zu machen, den sie für das verantwortlich halten, was sie als Übertretung ansehen.
(V. 13)
«Aber der Geheilte wusste nicht, wer es war, denn Jesus war weggegangen, weil so viel Volk an dem Ort war.»
Der Text stellt eine wichtige Einzelheit klar: Der Mann weiß nicht, wer Jesus ist.
Dies zeigt, dass die Heilung geschah, ohne dass zuvor eine Beziehung zu Jesus oder eine persönliche Kenntnis seiner Identität bestanden hatte.
Jesus war wegen der großen Menschenmenge weggegangen, sodass der Mann ihn nicht identifizieren konnte.
Die Betonung liegt darauf, dass der Mann das Wirken Jesu erfahren hatte, ohne dessen Identität bereits zu kennen.
(V. 14)
«Danach findet ihn Jesus im Tempel und spricht zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfährt!»
Jesus ergreift erneut die Initiative.
Er findet den Mann im Tempel, was darauf hinweist, dass dieser sich nun an einem Ort der Anbetung befindet.
Jesus stellt fest: »Siehe, du bist gesund geworden.« Damit bestätigt er die Veränderung, die eingetreten ist.
Dann fügt er eine Warnung hinzu: »Sündige hinfort nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres widerfährt!«
Der Text erklärt den Zusammenhang zwischen seinem früheren Zustand und der Sünde nicht im Einzelnen. Er stellt jedoch eine Verbindung zwischen dem Verhalten des Mannes und einer möglichen zukünftigen Folge her.
Die Warnung weist auf etwas Ernsteres als körperliche Krankheit hin. Sie macht deutlich, dass die empfangene Heilung nicht das Ende der Angelegenheit ist, sondern dass weiterhin eine Verantwortung besteht.
Folgerungen
- Die menschliche Reaktion kann sich auf das Äußere richten: Der Text zeigt, wie man das Wirken Gottes übersehen und sich auf nebensächliche Dinge konzentrieren kann.
- Die Vollmacht Jesu steht über menschlichen Erwartungen: Der Mann handelt nach dem Wort dessen, der ihn geheilt hat.
- Man kann das Wirken Jesu erfahren, ohne vollständig zu wissen, wer er ist: Der Mann wurde geheilt, bevor er die Identität Jesu kannte.
- Jesus sucht den Mann erneut auf: Er heilt nicht nur, sondern stellt ihn auch zur Rede.
- Die Heilung ist nicht das endgültige Ziel: Die Warnung zeigt, dass es eine tiefere Dimension gibt, die das Leben des Mannes betrifft.
Anwendungen
- Prüfe, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest: Der Bericht stellt das Wahrnehmen des Wirkens Gottes dem Festhalten an äußeren Einzelheiten gegenüber.
- Erkenne die Vollmacht Christi an: Sein Wort hat Gewicht und muss befolgt werden.
- Gib dich nicht mit einer äußeren Erfahrung zufrieden: Es ist notwendig, weiterzugehen und zu erkennen, wer Jesus ist.
- Nimm die Warnung Christi ernst: Das Leben nach dem Eingreifen Gottes verlangt eine Antwort.
- Lebe dem entsprechend, was du empfangen hast: Die Heilung des Mannes bringt Verantwortung für seine Lebensführung mit sich.
Zusammenfassung
In Johannes 5,10–14 reagieren die Juden nach der Heilung des Mannes, indem sie sich auf die Einhaltung des Sabbats statt auf das geschehene Werk richten. Der Mann begründet sein Handeln mit dem Befehl dessen, der ihn geheilt hat, obwohl er noch nicht weiß, wer Jesus ist. Später findet Jesus ihn im Tempel und warnt ihn, nicht mehr zu sündigen, damit ihm nichts Schlimmeres widerfährt. Der Bericht zeigt, dass das Wirken Jesu von Menschen übersehen werden kann, die sich auf Äußerlichkeiten konzentrieren, und dass das Eingreifen Jesu in das Leben eines Menschen eine Verantwortung mit sich bringt, die über die körperliche Heilung hinausgeht.
Gebet
Unser Vater, wir danken Dir, dass wir in Deinem Sohn Deine Macht erkennen, unseren Zustand zu verändern, und dass Du die Initiative ergreifst, uns zu finden.
Herr, hilf uns, uns nicht auf Äußerlichkeiten zu konzentrieren und dabei aus den Augen zu verlieren, was Du tust. Schenke uns ein Herz, das Dein Wirken erkennt und Deinem Wort richtig antwortet.
Lass uns nicht nur bei dem stehen bleiben, was wir empfangen haben, sondern entsprechend dem leben, was Du uns gezeigt hast. Bewahre uns davor, zurückzukehren, und hilf uns, nach Deinem Willen zu leben.
Darum bitten wir Dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.
Die Bibel Schlachter 2000
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